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IMPRESSUM |

GALERIE DER
DORFSCHREIBRINNEN UND DORFSCHREIBER |
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Der
Förderkreis Kreatives Eisenbach e.V. stellt ein
dreimonatiges Stipendium und eine
Dorfschreiberwohnung bereit und ermöglicht einem Autor,
einer Autorin in Muße und entspannter Abgeschiedenheit zu
schreiben.
Hier nun unsere
Dorfschreiber und Dorfschreiberinnen der vergangenen Jahre: |
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Birgit
Maiwald,
die Dorfschreiberin 2011 |
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Tatort
Eisenbach
Gerade letzte Woche, als
schmutziger Berliner Regen gegen die Fensterscheiben schlug
und die S-Bahnen vorbeidonnerten, habe ich an einem Film
geschrieben, der in Eisenbach spielt. Auf der Suche nach
Spielorten und Figuren durchwanderte ich noch einmal die
Plätze, an denen ich gewesen war und dachte an Menschen, die
mir begegnet waren.
Da war einmal der zugezogene
Kreis kulturinteressierter Akademiker im Rentenalter,
welcher die Mehrheit der Stiftung Kreatives Eisenbach
ausmacht. Sie waren mir interessante Gesprächspartner,
intelligente Kritiker und manchmal sogar Gasteltern voller
Stolz und Fürsorge einerseits, aber auch in angespannter
Erwartung der Dinge, die sich durch den Dorfschreiber
„bewegen“ sollten. Als Paten des Kulturprogramms müssen sie
den Nutzen ihrer Idee jedes Jahr aufs Neue verteidigen -
gegen kritische Presse und alle Zweifler, die gutes Geld
effektiver zu verwenden wüssten.
Solche Gedanken sollten mir bald
selbst kommen, wenn ich mit dem Laptop auf den Knien
Sonnenstrahlen sammelte, während unweit von mir ein Teenager
den Stall ausmistete, ein 80jähriger schwere Baumstämme an
einen Traktor kettete und man vom nahe gelegenen Waldrand
das Geräusch der Motorsägen hören konnte. Alle Schollacher,
so schien es, arbeiteten täglich, bis ihnen der Schweiß aus
jeder Pore kam und wenn sie mir ab zu freundlich zunickten,
schämte ich mich ein bisschen, dass ich nicht ordentlich mit
anpackte, anstatt mit meinem Kaffee in der Hand auf Ideen zu
warten.
Angepackt hatte allerdings
bereits meine Vorgängerin auf dem Bauernhof. Eine
Berlinerin, die in ihren drei Monaten als Dorfschreiberin
alle Seiten des Landlebens entdeckt und ausgekostet hatte,
um Schollach anschließend mit einem Roman zu beschenken.
Überall wurde mit leuchtenden Augen von ihr gesprochen, die
Fußstapfen waren riesig. Indem der jüngste Sohn meiner stets
zuvorkommenden Gastgeberfamilie mich „Barbara“ nannte,
sprach er mit kindlicher Offenheit aus, was ich selbst schon
die ganze Zeit dachte.
Ich habe mein Wirkungsfeld in
der MedienAG der Lichtenbergschule gefunden. Mit den vor
Phantasie sprühenden Kindern zwischen 9 und 13 Jahren, die
ihre eigenen Erfahrungen zum Gegenstand eines Films machen
wollten, entstand viel schneller als gedacht die Handlung
eines Kurzfilms. Vom Drehbuch über das Casting, von der
ersten Klappe bis zur letzten Szene waren sie voller Elan
dabei. Nicht nur wegen ihres Dialekts sind sie mir als echte
Schwarzwaldkinder in Erinnerung geblieben. Tatsächlich
rannten sie auch dann noch mit kurzen Hosen durchs Bild,
wenn die verweichlichte Berliner Dorfschreiberin schon
längst 3 Jacken übergezogen hatte...
„Dorfschreiberin.“ Erst gegen
Ende meiner Zeit in Eisenbach konnte ich diesen Titel
wirklich mit mir in Verbindung bringen. Heute weiß ich, dass
man ein „Dorfschreiber“ nicht von Anfang an sein kann. Man
muss es werden. Jeder auf seine Art.
Zum Dank haben mir die
Eisenbacher einzigartige Charaktere, skurrile
Hintergrundinformationen und ebenso dramatische wie amüsante
Ideen in die Autorentaschen gesteckt. Es wird für mehr als
eine Inspiration reichen.
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Birgit
Maiwald
geboren 1979 in Ansbach, freie Drehbuchautorin, lebt in
Berlin, erste Erfahrungen als Drehbuchautorin während ihres
Studiums der Kulturwissenschaften an der Universität
Hildesheim. Als Co-Autorin ihres Lehrers Felix Huby schrieb
sie für TATORT und GROßSTADTREVIER. Von 2007 bis 2010
studierte sie in der Drehbuchklasse der Deutschen Film- und
Fernsehakademie Berlin. Im Sommer 2011 war sie
Dorfschreiberin in Eisenbach/Hochschwarzwald. Der
dreimonatige Aufenthalt war verbunden mit einem Stipendium. |
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Deniz Utlu,
der Dorfschreiber 2010 |
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Der Besuch
in den schwarzen Wäldern
…
die Kränze stilleuchtender Funken / Die Nacht um die
schattige Stirne flicht (Brentano)
Die
Idyllenmär und die Schwarzwälderkirschlüge hatten mich nie
beeindruckt. So war ich nicht enttäuscht, sondern atmete
auf, als man mir erzählte, dass die Schwarzwälder
Kirschtorte die Erfindung eines pfiffigen Gastronomen
gewesen sei und mit lokaler Tradition wenig zu tun habe.
Auch, dass die Idylle, wenn überhaupt nur inszeniert
existierte, gefiel mir: z.B. am Titisee.
In Eisenbach
wurde gearbeitet: In großen Fabrikhallen multinationaler
eisenbacher Unternehmen laufen die Maschinen vierundzwanzig
Stunden am Tag. Und das nicht, um Harmonie zu produzieren,
sondern um Zahnräder. Wie überall sonst, muss auch hier das
Täglichbrot erwirtschaftet werden. Wie überall gibt es auch
hier Konflikte. Und vielleicht haben die Schwarzwälder
deshalb seiner Zeit Kuckuksuhren mit schweren Pendeln
gebaut, damit die Welt zu hören bekommt, dass kein Wald
dicht genug ist, um den Klang des Stundenschlags zu dämpfen
und dass der Stundenschlag in den schwarzen Wäldern auf dem
höchsten Hügel und im tiefsten Tal genauso schön, genauso
bitter, genauso ehrlich von der Unwiderrufbarkeit jedes
erlebten Augenblicks kündet wie überall anders auch. Man
kann nur im Gegensatz seiner Zeit stehen, nicht außerhalb.
Dass des
Nachts alle Geräusche verstummen – allein der Wind saust
noch – und der Himmel sich Stern für Stern zusammensetzt,
ist nicht idyllisch, sondern schön.
An einem
Sonntag im April (2010) wurde ich in der so genannten
Wolfwinkelhalle in Eisenbach begrüßt. Vor zahlreichen Gästen
las ich die Kurzgeschichte „Du Hund“ und den Essay „Ins
Herz“ (siehe unter
http://www.freitext.com/index.php?heft=15&text=es1)
vor. Als es beim Publikumsgespräch ums Hochdeutsch und die
Mundarten ging, fragte man mich, ob ich besorgt sei, den
Dialekt vor Ort vielleicht nicht zu verstehen, da rief ein
älterer Herr dazwischen: „Wer sagt denn, dass wir hier
Dialekt sprechen und die Hochdeutsch? Es ist umgekehrt: Wir
sprechen Hochdeutsch, alle anderen Dialekt.“
Auf den
folgenden Lesungen in Eisenbach oder in Neustadt schaffte es
das Publikum immer wieder, mich mit solchen Wortbeiträgen zu
überraschen. Auch meine Überraschungsversuche blieben, so
glaube ich, nicht ganz erfolglos. Beispielsweise als bei
der Lesung in der Buchhandlung im Roten Haus in Neustadt ein
junger Mann im Publikum scheinbar unerwartet anfing zu
beatboxen: Ein ganzes Orchester spielte aus seinem Mund.
Ich lernte
Menschen kennen, die mir Einblick in ihren Alltag gewährten
und viele, die Einblick in meine Lebens- und Arbeitsweise
wünschten. Einige Gesichter sah ich bei jeder Lesung wieder,
sodass bald ein familiäres Gefühl aufkam.
Eine
Erfahrung besonderer Herzlichkeit ergab sich aus der
Begegnung mit Jugendlichen in der Lichtenbergschule in
Eisenbach und im Jugendbüro in Neustadt.
An der
Lichtenbergschule habe ich mit Texten aus dem Kultur- und
Gesellschaftsmagazin freitext, das ich herausgebe,
eine Unterrichtseinheit gestaltet – die Texte der Schüler
werden im Oktober in freitext, Heft 16,
veröffentlicht. Die Jugendlichen – mit ihrer Offenheit und
Hingabe – machten mir, der ich gekommen war, sie zu
ermutigen, Mut.
An einem
heißen Tag in Neustadt haben wir versucht uns Augusto Boals
Konzept des Theaters der Unterdrückten spielerisch zu
nähern. Boal war ein brasilianischer Regisseur, der Theater
als eine Methode sah, angelernte, internalisierte
Unterdrückungen abzubauen. Am Ende waren wir alle – die
Jugendlichen und auch ich – gleichermaßen erschöpft. Doch in
der Müdigkeit noch machte sich ein Gefühl von Freiheit breit
– Boal hatte nicht zuviel versprochen.
Diese
Stimmungen bei Veranstaltungen und in Begegnungen nehme ich
mit. Und auch die Stille des Waldes (wie ich erst lernte sie
zu ertragen und dann sie zu genießen) nehme ich mit. Zurück
in die Städte.
Waldschreiber-Blog:
http://waldschreiber.wordpress.com
Veranstaltungsblog:
http://tausendwortetief.wordpress.com
Magazin
freitext: www.freitext.com
Twitter:
http://twitter.com/DenizUtlu
Artikel und Rezensionen zu Deniz
Utlu und seinen Aktivitäten in der Zeit als Eisenbacher
Dorfschreiber finden Sie
hier und hier mit
einem Klick.
| Am 3. Oktober
2010 erhielt
unser Dorfschreiber Deniz Utlu, der
Dorfschreiber-Stipendiat des Förderkreises Kreatives
Eisenbach 2010, den
Ulrich-Beer-Förderpreis. Einen ausführlichen Bericht mit
Bildern über diese Veranstaltung in der Eisenbacher
Wolfwinkelhalle finden Sie
hier mit einem Klick! |
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Barbara
Bollwahn,
die Dorfschreiberin 2009 |
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Wunderfitzig im
Hochschwarzwald
Am Anfang
war ich neugierig, sehr neugierig. Ein
Dorfschreiberstipendium im Hochschwarzwald. Was ist das
denn? Nach einem Blick ins Internet, wo Eisenbach liegt,
bewarb ich mich sofort. Da wollte ich hin! Angst, die
Großstadt zu vermissen, hatte ich nicht. Im Gegenteil. Es
war gerade die Aussicht auf das so ganz andere Landleben,
das mich reizte. Umso mehr freute ich mich, als der Verein
„Kreatives Eisenbach“ mich zu einem persönlichen
Vorstellungsgespräch einlud. Nachdem ich das schöne
rustikale Schwarzwaldhäusle auf dem Beierleshof in Schollach
gesehen hatte, konnte ich es kaum erwarten, die
Dorfschreiberstelle anzutreten.
Im Gepäck
war das Exposé für den nächsten Jugendroman, eine
Adoptionsgeschichte, die in den Schwarzwald führt. Im Kopf
waren eine Reihe von Ideen, was ich außerdem machen wollte
in Eisenbach und Umgebung, damit die Leute merken, he, da
ist jemand von außerhalb, aus Berlin, aus der Hauptstadt. Es
war ein glücklicher Zufall, dass mein Aufenthalt im Sommer
2009 in das Jubiläumsjahr „20 Jahre Mauerfall“ fiel. So habe
ich eine Reihe von Lesungen aus meinem Ost-West-Jugendroman
„Der Klassenfeind und ich“ gemacht und saß als gebürtige
Sächsin, die 25 Jahre ihres Lebens in der DDR verbracht hat,
als Zeitzeugin vor Schülerinnen und Schülern, die oftmals
dachten, der Klassenfeind müsse ihr Lehrer gemeint sein.
Das
Dorfschreiberstipendium bietet viele Möglichkeiten, sich
auszutoben. An der Schule in Eisenbach habe ich in einer
Schreibwerkstatt mit Zweit- und Drittklässlern Geschichten
geschrieben, die in dem schönen Buch „Geschichten aus dem
schwarzen Wald“ erschienen sind. In einer zweiten
Schreibwerkstatt haben sechs Kinder an einem
Kindergeschichten-Wettbewerb der Wochenzeitung „Zeit“
mitgemacht. Eine Geschichte gewann sogar den 3. Platz!
Weil die
Schwarzwälder den Ruf haben, ihr Herz nicht gerade auf der
Zunge zu tragen, sondern eher als zurückhaltend gelten, lag
mir umso mehr daran, mit ihnen warm zu werden. Und was soll
ich sagen? Wenn man sich für sie interessiert und
wunderfitzig ist, so heißt es im Alemannischen für
neugierig, dann kann man geradezu sein blaues Wunder
erleben. Man kann lernen, Waldhonig, Honig ohne Bienen, zu
machen, sich im „Bierhäusle“, der einzigartigen Dorfkneipe
mit dem einzigartigen Wirt Guschd, an den Stammtisch hocken
oder der Cego-Karten-Runde zuschauen und den Punktestand
notieren – „Bischd ja die Dorfschreiberin.“ Man kann den
Liedern des Männergesangsvereins „Harmonie“ lauschen, den
Musikern des Musikvereins, die Freiwillige Feuerwehr
kennenlernen, auf Rehbockjagd gehen, im Stall bei der Geburt
eines Kälbchens dabei sein, Kühe melken, den Schweinestall
ausmisten und und und. Familie Schuler vom Beierleshof,
Klaus und Silvia, ihre Kinder Felix, Ramona und Robin, und
Oma Maria, ist mir in den drei Monaten ans Herz gewachsen.
Der Kontakt zu ihnen endet auf keinen Fall mit meiner
Abreise.
In gewisser
Weise steht man in den drei Monaten in Eisenbach unter
ständiger Beobachtung – im besten Sinne des Wortes. Die
Badische Zeitung und andere regionale Blätter haben
regelmäßig über die neue Dorfschreiberin berichtet, ebenso
der SWR. Auch das Deutschlandradio hat einen Beitrag
gemacht. Es hat Spaß gemacht, den Bekanntheitsgrad vom
Hochschwarzwald, von Eisenbach, von Schollach, vom Verein
„Kreatives Eisenbach“ zu erhöhen und von den Erfahrungen,
die ich gemacht habe, zu berichten.
Im Herbst
2010 erscheint im Thienemann Verlag der Jugendroman, den ich
im Schwarzwald begonnen habe. Eisenbach, Schollach, der
Schwarzwald, die Menschen werden auf die eine oder andere
Art darin vorkommen. Was ich in den drei Monaten in
Eisenbach-Schollach erlebt, gesehen und gemacht habe, alles
unvergessliche Erfahrungen, ist nachzulesen im Internet in
dem Schwarzwaldblog, den ich dort geschrieben habe:
http://eisenbach-dorfschreiberin2009.blogspot.com/
* * * *
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Barbaras "Krönung"
Aus der
Arbeit der Schreibwerkstatt mit den Schulkindern der
Lichtenbergschule entstanden lustige, traurige, kuriose,
phantasievolle Geschichten, zusammengefasst in einem
kleinen, schönen Buch Geschichten aus dem Schwarzen Wald.
Das Buch ist über die Lichtenbergschule, Eisenbach,
oder die Buchhandlung im Roten Haus, Titisee-Neustadt zum
Preis von 7,50 € zu erwerben.
Und noch etwas wurde zur Krönung der
Dorfschreiberzeit! Aus 400 Kindern, die sich am
Kinderschreib-Wettbewerb der ZEIT beteiligten, erschrieb
sich Arne Meister mit seiner
Geschichte aus Rumpelbeinia
den 3. Platz.
Das ist
ein wunderbarer Erfolg für unsere jüngsten „Eisenbacher
Autorinnen und Autoren“ und Barbara Bollwahn, die mit viel
Einsatz und der ihr eigenen fröhlichen impulsiven Energie
die Eisenbacher Kinder zum Schreiben verlockt hat.
Herzlichen Glückwunsch!

Sie wollen
die Geschichte lesen? Mit einem Klick auf das Bild mit Knuff
und den Kindern bekommen Sie Arne Meisters
Geschichte
aus Rumpelbeinia auf den Bildschirm!

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Marie T.
Martin
war 2008 als erste Dorfschreiberin in
Eisenbach. |
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Drei bewegte
Monate
Marie T.
Martin
Endlich
Einsamkeit und Ruhe, dachte ich, als ich im April 2008 meine
Koffer packte, um für drei Monate von Köln nach Eisenbach zu
ziehen. Nach Schollach, besser gesagt. Aber damals wusste
ich noch nicht, wie wichtig dieser kleine Unterschied ist.
Nun ja, die Ruhe. Einen Jugendroman wollte ich schreiben,
vielleicht ein wenig spazieren gehen, die Natur genießen –
und ja, auch mal in der Schule vorlesen. Meine Freunde
planten, mir Care-Pakete schicken, weil ich von der
Zivilisation abgeschnitten sein würde, ich dachte darüber
nach, wie ich ohne Auto das nächste Kino erreichen würde und
ob ich nicht doch vor Einsamkeit eingehen könnte. Und dann
kam alles anders.
Zum
Schreiben bin ich irgendwie nicht so wirklich gekommen:
außer den Texten für die Badische Zeitung natürlich, und den
Notizen in meinem Internet-Tagbuch, aus denen später das
Bändchen „Lichtnelke“ wurde, das ich bei einem Wiedersehen
im November in Neustadt vorstellte. Aber Fotos habe ich
Unmengen gemacht. Und ganz viel Spaß gehabt mit den
Eisenbacher Jüngsten. Vor allem mit dem Theaterprojekt
„Stines Reise“, einem von mir geschriebenen Theaterstück,
das richtig lebendig und berührend auf die Bühne gebracht
wurde. Um intensiv zu proben, haben wir sogar in der Schule
übernachtet. Musik wurde komponiert, ein Bühnenbild gebaut,
es gab einen Sing- und einen Sprechchor, und es kam Leben in
den Text! Im Lehrerzimmer der Lichtenbergschule habe ich
mich richtig zu Hause gefühlt. Auch eine Märchenwerkstatt
gab es, bei der die Kinder Eisenbacher Orte und Personen in
Märchen eingebaut haben. Die wurden bei der öffentlichen
Abschlusspräsentation natürlich vorgelesen. Eine fröhliche
Fahrt im Wiesenwägele haben wir gemacht, zusammen gegrillt,
ein Geschichtenzelt gebaut und gespielt. Viele herzliche
Begegnungen durfte ich erleben, ich wurde zum Essen
eingeladen und zitterte während der EM bei witzigen
Fußball-Abenden. Ach ja, außerdem nahm ich an einem
Lesekreis teil, schwitzte in einer Fitnessgruppe und hockte
im Bierhäusle am Stammtisch. Dort habe ich ordentlich
zugelangt bei Leberwurstbroten und natürlich beim Schnaps,
ich bekam Einblick in eine Eisenbacher Firma, habe versucht,
Cego zu lernen, sah beim Melken zu, und bekam
selbstgebackenen Kuchen vorbeigebracht. Beim Abschied in der
Wolfwinkelhalle vergoss ich natürlich das eine oder andere
Tränchen, und der Abschied fiel schwer, zurück in die
Großstadt mit ihrer Anonymität und ohne den herrlichen
Schwarzwald, ohne die Streifzüge zwischen Moos und Steinen,
aus denen die Figur des Mooskönigs hervor gegangen ist, eine
märchenhafte Kindergeschichte, die mich immer an drei
bewegte Monate im Schwarzwald erinnern wird. Danke
Eisenbach!
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Sie wollen mehr über unsere
Dorfschreiberin 2008, Marie T.
Martin, wissen?
Sie wollen in ihrem Eisenbacher
Tagebuch lesen?
Sie wollen mit Marie T. Martin
in Kontakt treten?
Kein Problem! Klicken Sie auf
das Bild! |
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Von April bis Juni 2007
schrieb Stephan Waldscheidt,
der 2. Eisenbacher Dorfschreiber, frische Gedanken,
Gesichtspunkte und Geschichten.
Sie
finden ihn auch auf seiner eigenen Website unter
www.waldscheidt.de
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Stephan Waldscheidt, der zweite Dorfschreiber
Meine Zeit in den Bäumen
Den Hochschwarzwäldern wird oftmals unterstellt, sie lebten
hinterm Mond. Das ist nicht richtig. In Wahrheit leben sie auf
den Bäumen – keineswegs, weil sie dort noch nicht
heruntergekommen waren, nein, sondern weil sie weiter sind als
die meisten anderen Menschen heutzutage und eingesehen haben:
Das Leben auf dem Boden zerstört die Umwelt. Im Hochschwarzwald
ist man aus Gründen der Vernunft auf die Bäume zurückgekehrt.
Als ich im Dezember 2006 zum ersten Mal nach Eisenbach fuhr,
wusste ich das freilich noch nicht. Statt der für eine Gemeinde
mit vier Dörfern üblichen Ansammlung aus Häusern fand ich nichts
weiter vor als – vier Bäume. Ich sollte hinzufügen: gewaltige
Bäume, in den Himmel hinauf, in den Himmel hinein, über den
Himmel hinaus wachsende Tannen.
Mein Vorstellungsgespräch für die Stelle als Dorfschreiber
fand dann auch in den unteren Ästen der Schollacher Tanne statt
(Schollach ist ein Dorf – respektive ein Baum – der Gemeinde
Eisenbach). Ein gemütliches Plätzchen war das, man hockte
zusammen inmitten von Nadelduft und mit einer schönen Aussicht
bis hinüber ins benachbarte Hammereisenbach.
„Und wo werde ich wohnen?“, fragte ich, nachdem man mir den
Posten angetragen hatte.
„Hier, in der Schollacher Tanne“, sagte die Vorsitzende des
Vereins Kreatives Eisenbach, der das Stipendium alljährlich
vergibt.
„Natürlich ein paar Äste weiter oben“, ergänzte die
Schriftführerin.
„Natürlich“, sagte ich, ein wenig verdattert.
So kletterten wir gemeinsam ein Stück weiter, passierten
andere Schollacher, die es sich zwischen Zweigen und Zapfen
wohnlich gemacht hatten, und erreichten schließlich meinen
Wohnast. Ein wenig kühl war es mir schon, aber schließlich
herrschte jenseits des schützenden Astwerks Wintertristesse.
„Im Sommer freuen Sie sich über den Schatten“, versicherte
man mir.
Dessen hätte es nicht bedurft. Schon die Aussicht nahm mich
für Eisenbach ein. Feldberg, Freiburger Münster, der Rhein, die
Alpen – mein Blick wurde von nichts weiter als von der
Erdkrümmung aufgehalten; so weit ich weiß, sitzt man im
Gemeinderat derzeit schon zusammen und berät über eine
Abschaffung der Erdkugel und eine Rückkehr zu dem weit
praktischeren Erdscheibenmodell. Verständlich, wo doch Aussicht
eines der zentralen Marketing-Argumente des Eisenbacher
Tourismusverbandes ist.
Man hatte mir nicht zu viel versprochen. Als ich im April
hoch zu meinem neuen Domizil kletterte, blendete mich die Sonne
aufs Angenehmste. Ich verstaute meine Siebensachen in den
großzügigen Astlöchern und machte mich daran, meine ersten Texte
in die nachgiebige Rinde zu ritzen.
Nur das mit den Kühen wollte mir nicht einleuchten.
„Das ist kein Problem“, sagte mir mein Gastgeber, ein
Schollacher Milchbauer, dem der Ast gehörte, auf dem ich für die
nächsten drei Monate wohnen sollte. „Wir haben hier eigens für
das Leben in den Bäumen gezüchtetes Vieh. Unsere Kühe klettern
wie Eichhörnchen, fressen Tannennadeln und geben die würzigste
Milch, die Sie je getrunken haben.“ Freilich befänden sich die
Tiere um diese Zeit des Jahres noch in ihren Astlöchern, wo sie
die Winter verbringen. Erst wenn die Tannennadeln in vollem Saft
stünden, könne man die anspruchsvollen Kühe hinaus in die Zweige
lassen. „Sie stellen sich nicht vor, was so eine Baumkuh
verdrücken kann.“
Auch mein Appetit gedieh prächtig. Ich kletterte viel in
meinen Tagen im Hochschwarzwald, stieg in Bubenbach bis weit
hinauf ins Nest eines Spechtehepaars (oder „Hacker“, wie sie
diese Vögel dort treffend nennen), sammelte in Eisenbach Zapfen,
Käfer, Beeren und das ein oder andere Vogelei für meine Tafel
oder genoss die Aussicht, die sich mir nirgends prächtiger bot
als in Oberbränd, wo der Blick sich erst in den Schneefeldern
der Alpen verlor. Auch so manchen Kauz und das ein oder andere
Käuzchen lernte ich kennen. Meine Arme wurden vom Schwingen, vom
ewigen Auf und Ab in den Wipfeln kräftiger als die eines
professionellen Turners, mein Tritt sicher, mein Blick der eines
Adlers.
Am meisten aber behagte es mir, meine Texte direkt ins Holz
der Tanne zu kerben – eine durchaus mühsame und langwierige Art,
Buchstaben zu Wörtern, Wörter zu Sätzen und Sätze zu Geschichten
zu fügen, aber eine Weise, die meinem Erzählen und letztlich mir
zugute kam: Wörter und die Dinge, die sie benennen, gewannen mir
endlich das Gewicht, das sie verdienen.
Es war eine fruchtbare Zeit, meine Zeit in den Bäumen. |
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Als 1. Dorfschreiber Deutschlands war
Dr. Leopold Rombach von Anfang März bis Ende
April 2006 in Eisenbach.
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Leopold Rombach,
erster Dorfschreiber von Eisenbach
Ein
(Selbst-)Porträt des Künstlers als Mann in den Jahren.
Leopold
Rombach, Dörfler aus Passion, ist Jahrgang 1950 und der
Überzeugung, dass viele Probleme sich von alleine erledigten,
wenn man sie nicht zu sehr dabei störte und ohnehin gar nicht
aufträten, wenn die Leute zuhause in ihren Stuben blieben. Kam
über den zweiten Bildungsweg und Studium zur Pädagogik und durch
Promotion in derselben wieder von ihr weg.
Erlangte durch
dieses Projekt immerhin zwei weitere Überzeugungen: 1. Man kann
die Welt nicht verbessern, - es genügt völlig, ihr nicht zu
schaden und sie nicht zu langweilen. 2. Die Sprache ist das
wunderbarste und schwierigste Produktionsmittel, das es gibt.
Wenn man gut hinhört, erfährt man eine Menge über die Motive
seiner Mitmenschen. Wenn man versucht, gut zu schreiben, erfährt
man eine Menge über sich selbst. Wenn man der Sprache dient, ist
einem selbst und dem Publikum gedient und irgendwie doch die
Welt etwas verbessert.
Rombach lebt
seit vielen Jahren recht und schlecht als Autor,
Lehrbeauftragter und Künstler, seit einiger Zeit auch als
Porträtfotograf. Dieses Handwerk macht ihn zufrieden und
glücklich, denn die Begegnung mit Menschen fasziniert ihn und es
gelingt ihm oft, den göttlichen Funken in den Gesichtern zu
erahnen und den Menschen einen erfreulichen Spiegel vorzuhalten.
Ab und zu
reißt er sich zusammen, schreibt ein verdammt gutes Essay und
gewinnt einen Preis damit: 1999 den Essay-Preis der
Baden-Württembergischen Landesregierung zum Goethejahr, 2006 den
Dorfschreiberpreis Eisenbach.
Zur Zeit müht
er sich an einem dicken Romanprojekt ab. Die Geschichte handelt
von einigen Dingen, die er liebt: der Liebe, der Philosophie,
guten Fotos, alten Autos und bluesigem Jazz. Er schreibt
furchtbar langsam und sorgfältig, weil er findet, man habe eine
Verantwortung gegenüber der Sprache, dem Leser und dem Papier.
Er liest wenig, weil ihm scheint, dass viele Autoren viel besser
schreiben als er, und er liest selten zu Ende, weil er viele
Autoren gedruckt findet, die einen elenden Mist schreiben.
Ansonsten hat er die selben Lieblingsautoren wie viele Autoren,
die etwas auf sich halten: Heine und Brecht, Joyce und Celan,
Morgenstern und Benjamin. Er liebt Wilhelm Busch und bewundert
die Chuzpe von Karl May. Bei den Neueren verehrt er sehr Patrick
Süskind, Bernhard Schlink und Sarah Kirsch. Fad finden tut er
den Walser, den Stadler, den Genazino. Ansonsten hält er es mit
Günter Eich, der gesagt hat, man solle unnütz sein und sich
beschränken auf „…weniger Ziele und kleiner, reiskorngroß.“
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